E.ON Drive Infrastructure (EDRI) und E.ON Group Innovation haben gemeinsam mit acht Industriepartnern erfolgreich Europas erstes interoperables Reservierungssystem für das Laden von Elektro-Lkw entwickelt und getestet.
Das Projekt „Truck Charging“, koordiniert vom Innovationszentrum UnternehmerTUM und durchgeführt von Juli 2025 bis März 2026, hat einen funktionierenden Prototyp hervorgebracht. Dieser ermöglicht es Flottenbetreibern, Ladezeiten im Voraus über verschiedene Anbieter und Netzwerke hinweg zu buchen – ein entscheidender Schritt, um elektrischen Schwerlastverkehr im großen Maßstab möglich zu machen.
Das Konsortium bestand aus neun Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette: MAN Truck & Bus, E.ON Group Innovation, Alpitronic, AVL, FRYTE Mobility, Metzger Logistik & Spedition, Cosmic Cat, die Stadt München und UnternehmerTUM als Projektkoordinator. Die Ergebnisse wurden bei der Abschlussveranstaltung im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München präsentiert.
Lösung der Planungslücke in der elektrischen Logistik
Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektro-Lkw stehen Logistikunternehmen vor einer grundlegenden betrieblichen Herausforderung: Bestehende Planungs- und Dispositionsprozesse wurden nicht für Elektrofahrzeuge entwickelt. Das Laden wird häufig manuell organisiert, etwa mit Tabellen und kurzfristiger Abstimmung, wodurch Flotten anfällig für unvorhersehbare Ausfallzeiten und Reichweitenunsicherheiten werden. Gleichzeitig stellt sich für Depotbetreiber die Frage, wie sie ihre Ladeinfrastruktur für Dritte öffnen können, ohne den eigenen Betrieb zu beeinträchtigen.
Das Projekt „Truck Charging“ adressiert beide Seiten dieser Problematik direkt. Das interoperable Buchungssystem ermöglicht es Disponenten, Ladezeitfenster im Voraus sowohl an öffentlichen Ladestationen als auch in Logistikdepots Dritter zu reservieren. Betreiber von Depots und Ladeinfrastruktur erhalten gleichzeitig ein Werkzeug zur Verwaltung von Verfügbarkeiten, Zeitfenstern und Zugangsregeln — und können so ihre Ladeinfrastruktur effizient auslasten.
E.ONs Plattform „Truck Reservation“ im Zentrum des Systems
Die Plattform „Truck Reservation“ von E.ON stellt das Buchungs-Backend des integrierten Systems bereit. Sie arbeitet in Kombination mit der „Matchmaking“-Plattform von FRYTE Mobility, die Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur und Energiesysteme über offene Schnittstellen miteinander verbindet — darunter auch Schnittstellen auf Basis des OCPI-Standards. FRYTE ermöglicht es zudem Betreibern ohne eigene Buchungsfunktion, Teil des interoperablen Systems zu werden.
Gemeinsam ermöglichen beide Plattformen Flottenbetreibern, Ladebedarfe entlang einer Route zu planen, Zeitfenster mit einer Toleranz von ±15 Minuten zu reservieren, sich bei Ankunft über eine Web-App zu authentifizieren und Buchungen kurzfristig anzupassen, wenn sich die Route ändert.
Praxistest unter realen Winterbedingungen
Im Februar 2026 testete das Konsortium den Prototyp im realen Einsatz. Ein elektrischer MAN-Lkw von Metzger Logistik & Spedition absolvierte eine Strecke von über 300 Kilometern unter winterlichen Bedingungen durch Bayern und Baden-Württemberg und nutzte dabei drei vorab gebuchte Ladestationen: das Depot der GVZ – Kloiber GmbH in Augsburg, das eigene Depot von Metzger in Kupferzell sowie eine öffentliche E.ON Drive Ladestation im MAN Service Center in Karlsfeld — ausgestattet mit vier Alpitronic HYC400 Schnellladesäulen mit jeweils bis zu 400 kW Leistung. Der Test umfasste die gesamte Prozesskette von der Routen- und Ladeplanung über die Reservierung und Authentifizierung bis hin zum eigentlichen Ladevorgang.
Ein Baustein für die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs in Europa
Für E.ON Drive Infrastructure ist das Projekt „Truck Reservation“ eine direkte Fortsetzung des Engagements, die notwendige Ladeinfrastruktur für die Elektrifizierung des europäischen Güterverkehrs aufzubauen. EDRI investiert bereits erheblich in öffentliche Hochleistungs-Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge in ganz Europa. Gemeinsam mit den Partnern Voltix und GreenWay entwickelt EDRI im Rahmen des von der EU geförderten Projekts HDV-E rund 330 Megawatt-Ladepunkte (MCS) an 55 strategischen Standorten in neun europäischen Ländern — jeder mit einer Ladeleistung von 1 MW oder mehr, sodass Elektro-Lkw in Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit mit Diesel-Lkw konkurrieren können.
Timo Sillober, CEO von E.ON Drive Infrastructure, kommentiert: „Der Aufbau der Ladeinfrastruktur ist nur ein Teil der Lösung. Lkw sind in eng getaktete Logistikketten eingebunden — eine Ladesäule, die nicht im Voraus reserviert werden kann, ist keine verlässliche Option. Mit der Plattform Truck Reservation und diesem Konsortium haben wir gezeigt, dass interoperable, betreiberübergreifende Buchungen bereits heute technisch möglich sind. Das ist ein entscheidender Baustein für die Elektrifizierung des europäischen Straßengüterverkehrs.“
Nächste Schritte: Skalierung des Systems
Das Konsortium hat zwei Folgeprojekte identifiziert. Das erste, „System Orchestration TCO Blueprint“, soll die derzeit fragmentierte Landschaft der Depotladung strukturieren, indem klare Rollen, Schnittstellen und Datenflüsse zwischen Transportmanagementsystemen (TMS), Lademanagementsystemen (CPMS), Energiemanagementsystemen (EMS) und Zahlungsanbietern definiert werden. Das zweite Projekt, „Flexible Energy Hubs“, untersucht, wie Logistikdepots als intelligente Energiezentren gestaltet werden können — indem operative Flexibilität (Routen, Zeitfenster) mit energetischer Flexibilität (Lastverschiebung, Speicherung, Preissignale) kombiniert wird, um neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen.
Über E.ON Drive Infrastructure (EDRI)
E.ON Drive Infrastructure (EDRI) ist ein europaweit führender Betreiber von Ladeinfrastruktur und gehört zur E.ON-Gruppe. Das Unternehmen baut, besitzt und betreibt öffentliche Ladeinfrastruktur für alle Arten von Elektrofahrzeugen mit dem Ziel, Laden für alle und überall zu ermöglichen. Derzeit betreibt EDRI mehr als 8.800 öffentliche Ladepunkte in 11 europäischen Ländern und erweitert sein Netzwerk jährlich um weitere 1.000 Hochleistungs-Ladepunkte. www.edri.com






